OPEN CALL - 23. Kunstfestival Begehungen

Wir beobachten gegenwärtig, wie soziale, politische und technologische Realitäten zunehmend durch narrative, visuelle und algorithmische Verfahren erzeugt und stabilisiert werden. Während Wirklichkeit im Alltagsverständnis als gegebene stabile und objektive Ordnung aufgefasst wird, geht das 23. Kunstfestival Begehungen von der grundlegenden Einsicht aus, dass Wirklichkeit stets konstruiert ist:  Sie wird erzählt, gerahmt, selektiert und durch Institutionen, Routinen, Sprache oder kollektive Deutungsmuster hervorgebracht; sie ist das Ergebnis sozialer, diskursiver und technologischer Prozesse, die zunehmend selbst zu aktiven Produzenten von Realität werden. Die Inszenierung von Wirklichkeit ist daher kein Sonderfall, sondern ein grundlegender Mechanismus gesellschaftlicher Wirklichkeitsproduktion. Im Kontext digitaler Medien, KI-gestützter Bildgenerierung und beschleunigter Öffentlichkeiten lösen sich die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, Dokument und Konstruktion, Realität und Simulation zunehmend auf. 

Parallel dazu gewinnen autoritäre Regime weltweit an Einfluss, die alternative Vorstellungen von Freiheit, Wahrheit und Öffentlichkeit propagieren.

In politischen, ökonomischen und technologischen Milieus entstehen so konkurrierende Wirklichkeitsentwürfe, die jeweils eigene normative Ordnungen behaupten. Zugleich verbreiten sich Wirklichkeitsmodelle, in denen Solidarität, Minderheitenschutz oder klimapolitische Maßnahmen als überflüssige, „woke“ Interventionen erscheinen oder Demokratie als historisch überholtes Organisationsprinzip verstanden wird.

Bedrohungsszenarien und Angstnarrative fungieren dabei als zentrale Instrumente politischer Mobilisierung, während die Unterscheidung zwischen Fakt, Interpretation und Fiktion zunehmend verwischt. In diesem Spannungsfeld geraten demokratische Aushandlungsprozesse unter Druck, während autoritäre und technokratische Herrschaftsmodelle an Plausibilität gewinnen, die politische Entscheidungsfindung verstärkt an ökonomische, mediale oder algorithmische Logiken delegieren.

Vor diesem Hintergrund widmet sich das 23. Kunstfestival Begehungen unter dem Titel In der Vorstellung den vielfältigen Inszenierungsstrategien von Wirklichkeit in der Gegenwart.

AUSSTELLUNG

Die Ausstellung wird 20 - 25 Werke internationaler zeitgenössischer Künstler:innen zeigen, die durch ein Festivalprogramm mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Performances ergänzt werden. Entstehen wird die Ausstellung durch von der künstlerischen Leitung ausgewählte Werke und Projektideen aus dem weltweit ausgeschriebenen Open Call. 

Die künstlerische Leitung der Ausstellung liegt bei Dr. Claudia Tittel. Sie ist seit 2009 als freie Kuratorin und Kulturmanagerin im In- und Ausland tätig, u.a. für die Akademie der Künste Berlin, Nationalgalerie Vilnius, Es Baluard-Museu d’arte contemporani Palma de Mallorca, das Klinger-Forum Leipzig, die Klassik Stiftung Weimar und Kunstsammlung Gera.

ORT

Das Chemnitzer Schauspielhaus

Das Kunstfestival Begehungen nutzt jedes Jahr temporär oder dauerhaft leerstehenden Orte für das Festival. 2026 wird das Chemnitzer Schauspielhaus Austragungsort sein. Es wurde Ende der 1970er Jahre errichtet, kann aber seit 2022 wegen baulicher Mängel nicht mehr vom Theater genutzt werden, da sich die geplante Sanierung als teurer als erwartet erwies.

In Politik und Zivilgesellschaft findet aktuell eine lebhafte Debatte zu Sanierung und Neubau statt. Diese Debatte wird nicht nur um das konkrete Objekt geführt, sondern steht stellvertretend als Diskurs über den Wert von Kultur und den Umgang mit dem Bauerbe der DDR. 

AUSSCHREIBUNG

Das Festival will den Blick auf jene Konstellationen richten, in denen technologische Infrastrukturen, ökonomische Interessen und politische Ideologien ineinandergreifen und neue Formen autoritärer Wirklichkeitsproduktion hervorbringen. Die Ausstellung versteht diese Entwicklungen nicht als isolierte Phänomene, sondern als Ausdruck tiefgreifender Verschiebungen epistemischer Ordnungen, in denen Realität zunehmend als formbar, strategisch modellierbar und inszenierbar erscheint.

Künstler:innen werden eingeladen, Arbeiten einzureichen, die sich mit der Konstruktion und Inszenierung von Wirklichkeit auseinandersetzen. Gesucht werden künstlerische Arbeiten, die narrative, visuelle, mediale oder algorithmische Herstellungsprozesse von Wirklichkeit reflektieren und/ oder mediale und politische Inszenierungen analysieren. Besonderes Interesse gilt den Auswirkungen verschiedener Inszenierungsstrategien auf Wahrnehmung, Affekt, Deutung und Handlung.

Ziel ist es, ein vielstimmiges Panorama künstlerischer Positionen zu präsentieren, das Prozesse der Wirklichkeitskonstruktion sichtbar macht und zur reflektierten Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Formen gesellschaftlicher Wirklichkeitsproduktion einlädt.

Eingereicht werden können Arbeiten aus allen künstlerischen Genres, darunter Zeichnung, Malerei, Skulptur, Fotografie, Installation, Video, Sound und Performance sowie interdisziplinäre Formate.

TERMINE

Bewerbungsphase: 24.02.26 - 15.03.26
Einsendeschluss: 15.03.26, 23:59 Uhr (MESZ)
Bekanntgabe Juryergebnis: Anfang April 2026
Festivalzeitraum: 19.06. - 05.07.2026

VERGÜTUNG

Die Teilnahme an der Ausstellung wird mit einer Ausstellungsvergütung von 300 Euro (brutto) vergütet. 

Kosten für Hin- und Rückversand der Werke werden vom Veranstalter getragen.

Konzeptionelle und/oder partizipativ angelegte Werke können mit einem Materialzuschuss von maximal 700 Euro umgesetzt werden. Besteht die Notwendigkeit eines koordinierten Auf- und Abbaus durch den/die Künstler:in bzw. assistierender Personen, so werden An- und Abreisekosten erstattet sowie eine kostenfreie Unterkunft gestellt (maximal 5 Tage).

Für Performances gilt: Sofern sichergestellt ist, dass die Performance im Festivalzeitraum an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen am Festivalort aufgeführt werden kann, wird diese mit insgesamt 500 Euro (brutto) vergütet. Zudem werden Reise- und Übernachtungskosten vom Veranstalter getragen (bitte Anreiseort in der Bewerbung angeben).

Es ist auch möglich, sich als Gruppe zu bewerben. Die Ausstellungsvergütung wird pro Werk, nicht aber pro Person geleistet.

Jede/r Künstler:in bzw. Gruppe kann nur ein Werk einreichen.

BEWERBUNGSPORTAL

Unter diesem Link finden Sie das Bewerbungsportal.

Zu beachten ist:

  • Nur mit einem Login ist es möglich, sich zu bewerben. Dieser kann auf dem Portal einfach angefordert werden.
  • Das Zwischenspeichern des Bewerbungsformulars ist möglich.
  • Einmal eingereichte Bewerbungen können nicht mehr bearbeitet werden.
  • Sind nicht alle Pflichtfelder ausgefüllt, kann die Bewerbung nicht eingereicht werden.
  • Alle Dokumente sind im PDF-Format bereitzustellen. Die Dateigröße pro PDF darf dabei die Grenze von 10 MB nicht überschreiten.

Wichtig: Bewerbungen per Mail oder Briefpost werden nicht anerkannt! Es kommen ausschließlich Bewerbung aus unserem Bewerbungsportal zur Abstimmung!

Einzureichen sind:

  • ein vollständig ausgefülltes Online-Formular
  • ein kurzes Portfolio bisheriger Arbeiten (im Formular als "Portfolio" bezeichnet)
  • eine kurze Vita (im Formular als "Lebenslauf" bezeichnet)
  • ein Dokument mit der Beschreibung des auszustellenden Werkes (im Formular als "Beschreibung der Einreichung" bezeichnet):
    Darin sollten neben einer textlichen Beschreibung auch eine Abbildung der auszustellenden Arbeit(en) bzw. Links zu Audio- oder Videofiles sein.
  • Technische Anforderungen (nur bei bei notwendiger Technik, im Dokument "Beschreibung der Einreichung" ergänzen):
    • einen vollständigen Techrider
    • Angabe ob eigene Technik vorhanden oder Leihbedarf
  • Bitte beantworte unbedingt folgende Fragen (im Dokument "Beschreibung der Einreichung"):
    • Beinhaltet das Kunstwerk Audioelemente? Wenn ja, beachte unbedingt die Beigabe eines vollständigen Techriders
    • Ist dein Kunstwerk interaktiv gedacht, darf es also berührt, betreten oder in sonstiger Weise vom Publikum genutzt werden? Wenn ja, kann es aus deiner Sicht dadurch zu Beschädigungen oder Verschmutzungen am Kunstwerk kommen? (Bitte bedenke, dass das Kunstfestival Begehungen viele Tausend Besucher hat und interaktive Kunstwerke daher auch intensiv genutzt werden)
    • Bei konzeptionellen oder partizipativen Werken: Stelle deinen Materialaufwand dar. Bitte kalkuliere ihn so konkret wie möglich. Bedenke: Als Budget steht inklusive Technik (Leihe) maximal 700 Euro zur Verfügung.
    • Muss der Aufbau von dir selbst durchgeführt werden oder kann dies durch fachkundiges Personal des Veranstalters erfolgen?
    • Wie lange wird der Aufbau dauern?
    • Welche Werkzeuge, Materialien und Präsentationsmöbel (Sockel, Sideboards, Vitrinen etc.) benötigst du?
  • Bei der Bewerbung fragen wir nach der Art des Kunstwerkes. Dies hilft uns in der Organisation des Auswahlprozesses. Dabei stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung: "Malerei / Grafik / Fotografie", "Skulptur / Plastik / Installation", "Medienkunst / Film / Klang", “Performance” und "anderes".

Fragen zur Bewerbung: application (at) begehungen-festival.de
oder siehe die FAQ am Ende der Seite.

Das Kunstfestival Begehungen

Das Festival wurde 2003 in Chemnitz gegründet. Es zählt zu den renommiertesten Kunstevents in Sachsen und zieht jedes Jahr tausende Besucher:innen an. Seit 2010 wechselt das Kunstfestival jedes Jahr seinen Austragungsort. Seitdem waren u.a. ein ehemaliges Gefängnis, leerstehende Kulturhäuser, verlassene Kleingärten, eine alte Brauerei, ausgediente Kaufhallen und Schulen, ein trockengelegtes Spaßbad, ein verwaistes Museum oder ein verwilderter Bahnhof Orte des Festivals.

Das Kunstfestival Begehungen versteht sich als inklusives und barrierearmes Festival. Der Zutritt zu allen Programmpunkten sowie zur Ausstellung ist ohne Eintrittspreis möglich. Das Festival entsteht durch viel ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder des Begehungen e. V. und vieler Helfer:innen.

Ein Rückblick auf vergangene Ausgaben des Festivals:

2025 - Everything is interaction - ehem. HKW Nord

2024 - KIPPELN - ehem. CSM

2023 - et cetera pp - Schlosspalais Lichtenstein

2022 - Plansch - Erzgebirgsbad Thalheim

2021 - Leerzeit - Güterbahnhof Altendorf

2020 - Entwürfnisse Ring 8 - Kaufhalle Hutholz

FAQ

Ist der Open Call altersbeschränkt?

Nein. In diesem Jahr nicht.

Ist es auch möglich, sich als Gruppe zu bewerben?

Ja. Es ist auch möglich, sich als Gruppe zu bewerben. Die Ausstellungsvergütung wird pro Werk, nicht aber pro Person geleistet. Jede Gruppe kann nur ein Werk einreichen.

Was gilt für konzeptionelle Arbeiten?

Für konzeptionelle Arbeiten, die mehrere Tage zur Umsetzung vor Ort benötigen, stellen wir in begrenztem Umfang Mittel für Reise, Übernachtungen und Material zur Verfügung. Konzeptionelle und/oder partizipativ angelegte Werke können mit einem Materialzuschuss von maximal 700 Euro umgesetzt werden.

Besteht die Notwendigkeit eines koordinierten Auf- und Abbaus durch den/die Künstler/in bzw. assistierende Personen, so werden An- und Abreisekosten erstattet sowie eine kostenfreie Unterkunft gestellt (maximal 5 Tage).

Kann ich mich auch mit einer Performance bewerben?

Ja, dies ist möglich. Für Performances gilt: Sofern sichergestellt ist, dass die Performance im Festivalzeitraum an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen am Festivalort aufgeführt werden kann, wird diese mit insgesamt 500 Euro (brutto) vergütet. Zudem werden Reise- und Übernachtungskosten vom Veranstalter getragen (bitte Anreiseort in der Bewerbung angeben).

Was für eine Unterkunft wird gestellt?

Wir stellen ein eigenes Zimmer in einer Ferienwohnung zur Verfügung, in der maximal zwei Künstler:innen wohnen. Die Ferienwohnungen sind mit Küche und Bad ausgestattet.

Wohin wende ich mich, wenn ich eine Frage habe?

Fragen beantworten wir schnellstmöglich unter application (at) begehungen-festival.de

Wo ist der Link zum Bewerbungsportal?

Weiter oben, aber du kannst auch einfach hier drauf drücken: Link zum Bewerbungsportal