Das Festival

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Die 19. Ausgabe des Kunstfestivals Begehungen fand erstmals nicht im Stadtraum Chemnitz statt, sondern in der ca. 15 Kilometer entfernten Kleinstadt Thalheim. Ausstellungsort war das seit 2014 ungenutzte Erzgebirgsbad.

Der 1996 als sogenanntes Spaßbad konzipierte Komplex besteht aus Schwimmhalle samt Rutschen, Sauna und Freibad mit weitläufigem Außenbereich. Schwimmbäder wie das ehemalige Erzgebirgsbad werden als Orte für Zerstreuung, Entspannung, Spaß und nicht zuletzt auch zur sportlichen Betätigung erbaut. Sie sind Orte für ein alters- und klassenloses Vergnügen in Badeanzug, Bikini und Schwimmshorts.

Im spezifischen Fall verbindet sich der Ort mit einer tiefen Verlusterfahrung für die Thalheimer Bevölkerung. Der Grund: Schwimmbäder sind, gerade in kleinstädtischen Strukturen, wichtige soziale Bezugspunkte. Bei der Eröffnung war das Erzgebirgsbad das erste seiner Art in der Region und über viele Jahre gut besucht. Später entstanden jedoch in unmittelbarer Nähe weitere Bäder mit ähnlichem Profil. Daher sanken die Besuchszahlen, überdies verlor die Stadt Thalheim, einst glorreicher Standort der Textilindustrie und heimliche „Strumpf-Hauptstadt“ der DDR, fast die Hälfte seiner Bevölkerung.

Nahezu alle Industriebetriebe der Stadt schlossen in den Jahren nach der politischen Wende. Die Stadt schrumpfte, vor allem jungen Menschen zogen weg. In Folge dessen verschlechterte sich auch die finanzielle Situation der Stadt selbst, die Kosten für den Erhalt des Bades stiegen jedoch. Das einst mit Stolz erbaute Bad drohte die Gemeinde finanziell in den Abgrund zu ziehen. Unter Protesten wurde das Bad 2014 geschlossen und steht seitdem leer. Kurzzeitig wurde es, ebenfalls von Protesten begleitet, als Unterkunft für Geflüchtete genutzt.

Damit endete aber eine fast 100-jährige Geschichte, denn die Vorläufer des Erzgebirgsbades entstanden bereits Anfang der 1920er Jahre. Die Schließung und mögliche Wiedereröffnung des Bades werden seither in der Gemeinde diskutiert.

Das Risko, diesen Ort zu wählen, hat sich gelohnt. 12.000 Besucherinnen und Besucher fanden in den zehn Festivaltagen den Weg ins alte Bad. 30 Werke von Künstler*innen aus Armenien, Uk, Polen, Österreich, Niederlande, Ukraine, Argentinien, China, Slowenien und Deutschland konnten erlebt werden, dazu ein hochkarätiges Konzertprogramm.